Kataraktlinsen
Quelle: Christiane Pauliks, Stefan Escosura
E-Mail: escosura@worldonline.de
Unser Sohn Luis (fast 4 Jahre alt) hat beidäugig Aniridie (Fehlen der Iris) und zusätzlich einen Katarakt auf einer Seite.
Im Alter von 5 Monaten wurde deshalb eine Operation mit Absaugen der natürlichen Linse durchgeführt.
Als Linsenersatz trug er eine Kontaktlinse aus Silikon-Kautschuk. Aufgrund des Materials und der damit verbundenen hohen Luftdurchlässigkeit bestand die Möglichkeit das Wechseln und Reinigen der Linse auf 1 mal wöchentlich zu beschränken. Ein tägliches Reinigen der Linse, was mit anderen Linsen erforderlich wäre, ist bei Luis und vergleichbar kleinen Kindern wegen der noch nicht vorhandenen Mitwirkung nicht vorstellbar.
Im vergangenen Jahr wurde der Hersteller dieser Linsen (Firma Woelk aus Kiel) durch ein amerikanisches Unternehmen (Sillsoft) übernommen. Damit verbunden war die Einstellung der Produktion von Silikon-Kautschuk-Linsen. Das Nachfolgeprodukt mit einer vergleichbaren Luftdurchlässigkeit wird seit dem nur in einer deutlich reduzierten Bandbreite an Krümmungen produziert. Die optimale Anpassung an die Krümmung des Auges ist jedoch entscheidend für die Passform der Linse. Dies führte bei Luis dazu, dass er seine Linse in kürzester Zeit 3-mal verlor und wir aufgrund der erheblich verlängerten Lieferzeiten wochenlang ohne Ersatz waren und Luis in dieser Zeit sein Auge nicht einsetzen konnte.
Im Ergebnis sind wir seitdem auf eine Brille als Ersatz angewiesen, die jedoch aufgrund der erheblichen Stärke (zunächst 18 Dioptrien, mittlerweile 11 Dioptrien) Einschränkungen mit sich bringt. Bei unserer Suche nach alternativen Kontaktlinsenproduzenten sind wir bislang nicht fündig geworden.
Kataraktoperationen sind bei Säuglingen und Kleinkindern keine völlige Randerscheinung. Trotz der Entwicklung, dass zunehmend jüngere Kinder mit Implantaten versorgt werden können, erscheint es uns wichtig, dass für die Erstversorgung und für komplizierte Fälle weiterhin Linsen hergestellt werden, die tatsächlich an das jeweilige Auge optimal angepasst sind. Abgesehen von den Kosten und den Nerven aller Beteiligten finden wir es letztlich unverantwortlich die Produktion eines Hilfsmittels einzustellen, welches gerade für Säuglinge und Kleinkinder wichtig wäre um ihre ohnehin eingeschränkte Sehentwicklung zu fördern und zu ermöglichen.
Wir sind sehr an einem Austausch mit Betroffenen interessiert, aber auch an Ideen (Kontakt mit Krankenkassen, Firmen, usw. ), wie man diesem Problem begegnen könnte.
