Erfahrungsberichte
Kommunikation sehbehinderter und blinder Jugendlicher mit Sehenden
Workshop "Wie komme ich rüber?" vom 03. bis 05.12.2004 in Aachen - Eindrücke eines Teilnehmers
Quelle: Mario Schattschneider
Das Workshopwochenende, vom 3. bis zum 5. Dezember 2004, im Euregionalen Jugendgästehaus in Aachen war für mich die erste Veranstaltung dieser Art.
Bereits auf dem Weg nach Aachen lernte ich eine Teilnehmerin des Workshops kennen. So war die Fahrt viel angenehmer und wir konnten erste Erfahrungen austauschen.
Für mich war dieses Wochenende das erste Zusammentreffen mit anderen blinden und sehbehinderten Jugendlichen. Bisher hatte ich nie die Möglichkeit sehbehinderte oder blinde Jugendliche zu treffen, da ich selbst nicht von den Möglichkeiten wusste. Meine Ausbildung habe ich an Regelschulen und später an einer FH ohne Hilfsmittel absolviert. Die erst jetzt gewonnen Erfahrungen, und der Kontakt zu anderen Sehbehinderten und Blinden haben mir leider erst jetzt die Möglichkeiten aufgezeigt, welche ich durch den Einsatz von Hilfsmitteln habe. So wäre sicher einiges während meiner schulischen Ausbildung leichter gewesen.
Als ich von dem Wochenende gehört habe, sah ich dieses als Chance für mich, um neue Leute kennen zulernen. Auch das Thema "Wie komme ich rüber", welches sich mit der Kommunikation zwischen sehbehinderten, blinden und sehenden Menschen, und insbesondere mit der Kommunikation in Bewerbungsgesprächen beschäftigte, interessierte mich sehr. Ein Grund für dieses große Interesse ist durch den bevorstehenden Abschluss meines Studiums begründet.
Die Begrüßung in Aachen, seitens der Organisatoren, war sehr herzlich. Am Abend gab es ein erstes Kennenlernen mit allen Teilnehmern. Hierbei wurden die einzelnen Vereine vorgestellt, die sich an der Vorbereitung und Durchführung des Workshops beteiligt hatten. Des Weiteren sprachen die Teilnehmer über ihre Erwartungen an das Wochenende. Am späteren Abend hatten wir in der Bar des Jugendgästehauses die Möglichkeit erste Erfahrungen auszutauschen. Für mich war es sehr interessant die verschiedensten Menschen dort kennenzulernen, und mich mit ihnen über ihrer Erfahrungen im Studium und der Ausbildung auszutauschen.
Der erste Seminartag begann mit einem Kontextreframing, welches eine positiv-praktische Umbewertung einer bestimmten Situation meint. Der Dozent Dr. Klaus-Peter Pfeiffer zeigte, dass sowohl Sehende, als auch Nichtsehende bei der Kommunikation mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Interessant war es, dass man jedem negativen Erlebnis, welches im Zusammenhang mit der Kommunikation zwischen Menschen steht, durch eine andere Herangehens- und Denkweise etwas Positives abgewinnen kann.
Der Nachmittag wurde durch Rollenspiele bestimmt, welche die Teilnehmer durch verschiedenste Bewerbungssituationen zum Anlass nahmen sich selbst in einem solchen Gespräch auszuprobieren. Für mich bot das Rollenspiel die Gelegenheit, zu sehen, wie offen ich mit meiner Sehbehinderung im öffentlichen Leben, in dem Fall gegenüber einem Vereinsvorstand, in den ich als Mitglied eintreten wollte, umgehen kann. Hierbei konnte ich sowohl persönliche, als auch Erfahrungen aus dem Kontextreframing des Vormittags einfließen lassen. Die ausführliche Auswertung der drei fiktiven Rollenspiele gab den Teilnehmern ein Feedback, wie sie in den verschiedenen Situationen auf den Rest der Gruppe, aber auch auf ihren Gegenüber gewirkt haben.
Den zweiten Abend des Workshops ließen wir in einer Aachener Studierendenkneipe mit viel Spaß in einer fröhlichen Runde ausklingen. Die heitere und lockere Atmosphäre führte dazu, dass viele Kontakte und auch Freundschaften geschlossen wurden.
Den letzten Tag des Seminars gestaltete Willi Repke, der in Form eines Spieles, an dem sich alle Teilnehmer mit viel Freude beteiligt haben, die Gruppendynamik zwischen Sehbehinderten und Blinden aufzeigen wollte. Das Interaktionsspiel stellte uns vor die Aufgabe, in Gruppen von sehenden und nichtsehenden Teilnehmern kreativ tätig zu werden. Hierbei wurde deutlich, wie sich eine Gruppe bei einer Aufgabenstellung verhielt, und dass wirklich jeder innerhalb der Gruppen integriert wurde.
Alles in allem habe ich von diesen drei Tagen in Aachen eine Menge mitnehmen können. Erfahrungen und Anregungen, welche ich durch dieses Seminar bekommen habe, werde ich in Zukunft für mich positiv umsetzen können.
Abschließend möchte ich an dieser Stelle nochmals ein großes Lob an die Organisatoren aussprechen, welche dieses tolle Wochenende ermöglicht haben. Wenn es auch in diesem Jahr eine Veranstaltung dieser Art gibt, bin ich auf jeden Fall mit dabei.
