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Erfahrungsberichte

Integration behinderter Menschen in den (Bildungs-) Alltag - Facharbeit einer sehbehinderten Schülerin

Quelle: Kathrin Schwarze

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
1. Warum gerade dieses Thema?

Hauptteil
2. Integration, was ist das?
2.1 Integrationspädagogik
2.2 Antidiskriminierungsgesetz
3. Sehbehinderung, was ist das?
3.1 - Sehbehinderung allgemein
3.2 Besonderheiten (Albinismus)
4. Was versteht man unter Kindergartenpädagogik?
5. Wer ist Stina
6. Wie ist die Kindergartenumgebung aufgebaut?
7. Wird Stina in die Kindergartengruppe integriert?

Schlussteil
8. Resümee
9. Quellenverzeichnis

Einleitung

1. Warum gerade dieses Thema für die Facharbeit?
Die Uni-Woche hat in mir das Interesse an der Pädagogik - speziell der Behindertenpädagogik - gestärkt. Und es stellte sich mir auch die Frage, ob dieser Bereich auch zu meinem Lebensberuf werden könnte. Die komplette Zusammenstellung dieses Themas kam nicht sofort zustande, sondern eher aufbauend. Durch die Kontakte zu dem sehbehinderten Mädchen Stina in dem Bochumer Kindergarten hat sich das Thema immer mehr komplettiert. Stina geht in einen Kindergarten zusammen mit "normal sehenden" Kindern. Der Bereich der Integration musste folglich von mir ebenfalls berücksichtigt werden. Außerdem wird das Kind sonderpädagogisch betreut, so dass auch der Frühforderung eine nicht unerhebliche Bedeutung zukommt. Zusätzlich war zu beachten, dass der Kindergarten eine Bildungsstätte ist. So wurde schließlich aus all diesen Sachverhalten der komplette Themenkreis meiner Facharbeit zusammengestellt. Es gibt natürlich noch Randbereiche (Besonderheiten bei Sehbehinderungen, z. B. Albinismus), die in der Arbeit mit einzubinden waren. Da ich zusätzlich meine eigenen Erfahrungen einbringen konnte, bin ich mit sehr viel Freude und Begeisterung an diese Arbeit gegangen.

Hauptteil

2. Integration, was ist das?
Integration ist ein sehr weitläufiger Begriff, den man genauer beleuchten muss. Ich beziehe mich jedoch in dieser Arbeit auf den Bereich der Integration sehbehinderter Menschen. Die Integration beschreibt eine Eingliederung eines behinderten oder mehrer behinderter Menschen, in eine Gruppe von Nichtbehinderten. Diese Person/en soll/en integriert werden und die Gruppe der Nichtbehinderten soll integrieren. Es gibt zwei Begriffe, die mit Integration beschrieben werden: "Nichtaussonderung"1 und "Nichtausgrenzung"1 von Menschen. Da sie im schulischen Bereich auch von großer Bedeutung ist, möchte ich an dieser Stelle einige allgemeine Äußerungen treffen. Kinder und Jugendliche mit einem Handicap besuchen keine Sonderschule, sondern eine Regel- bzw. integrative Schule, zusammen mit Kindern und Jugendlichen ohne gravierende Einschränkungen. Ihnen wird die Chance gegeben, in die Klassengemeinschaft etabliert zu werden, und das Gefühl vermittelt, ein Teil der Gesellschaft zu sein, wie es auch jeder andere ist. Das Gefühl der Ausgrenzung, also nur unter ihres gleichen zu sein, soll bei diesen Menschen nicht entstehen. Wie funktioniert diese Integration? Die nicht behinderten Kinder und Jugendlichen werden möglichst sehr exakt mit der Behinderung vertraut gemacht, indem sie die Probleme, Besonderheiten und Schwierigkeiten kennen lernen. Dies ist Vorausset-zung für die Integration. Mit einem besseren Verständnis können sie auf die Schwierigkeiten dieser Personen Rücksicht nehmen und mit ihnen zusammenarbeiten. Die unterrichtenden Lehrer/innen müssen sich ebenfalls mit den Fällen vertraut machen, um in der Lage zu sein, in ei-ner integrativen Klasse unterrichten zu können. Ein hohes Maß an Gleichberechtigung muss geschaffen werden, um eine solche Gruppe von Kindern und Jugendlichen zusammen zu halten. Dies funktioniert jedoch nur, wenn beide Seiten Bereitschaft dazu zeigen. Die behinderten Personen und die nicht behinderten 1Vgl. http://www.kiwif.de* - 20.02.2005

Schüler sollten aufgefordert werden, ihre Befürchtungen oder ihr Unbehagen zu melden, wenn die Gruppe sich gegenüber den anderen benachteiligt fühlt oder Verständnisprobleme auftreten. Nur so können diese Defizite beseitigt werden. Das Verhältnis und die Kooperation untereinander werden gestärkt und die Integration wird aktiv gelebt. Sie funktioniert folglich nur optimal, wenn beide Seiten dazu bereit sind. Sie erleben so, dass es nicht auf Konkurrenz, Leistungsfähigkeit und Perfektion ankommt, vielmehr auf Miteinander, Zuneigung und gegenseitige Unterstützung. Integration findet natürlich nicht nur innerschulisch statt, sondern auch außerhalb der Schule. Behinderte sind als Mitglieder in Vereinen oder in den verschiedensten Institutionen aktiv, wie viele andere Menschen auch. Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft und möchten auch als ein solcher angesehen und behandelt werden. Auch dort müssen die Gegebenheiten ihren Möglichkeiten entsprechend angepasst werden und beide Kreise auf einander zugehen, so dass keine Benachteiligung entsteht. Falls es jedoch eine Aktivität gibt, welche die behinderte Per-son nicht ausführen kann - da fällt mir sofort das Beispiel mit dem Sportunterricht - ein, hier muss eine Alternative (z. B. bei Ballsportarten) gefunden werden, um einen Ausgleich zu schaffen. Das geht beispielsweise über eine besondere Rücksichtnahme ist aber auch individuell zu beurteilen, so dass behinderte und nicht behinderte Menschen in gleichem Maße Spaß am Unterricht haben. Das hier gesagte gilt natürlich in gleicher Weise auch für die vorschulische Betreuung in den Kindergärten.

2.1 Integrationspädagogik
Die Aufgabe der Integrationspädagogik ist es, das Motiv der Ausgrenzung von Menschen mit Einschränkungen aus den Köpfen der Nichtbehinderten zu beseitigen und das Miteinander zu verstärken. Sie müssen dahin geführt werden, dass sie die behinderten Personen als Menschen ansehen, die ihre eigenen Fähigkeiten besitzen, die zwar oft anders sind aber genauso ihren Wert haben. Wichtig ist, dass sie Behinderten mit Offenheit begegnen und keine Überheblichkeit, Ignoranz oder Hilflosigkeit zeigen. Kennzeichnend hierfür sind beispielsweise das Weglaufen vor diesen Menschen oder Hänseleien, die bis zu Diskriminierungen führen können. Aus letzteren Gründen ziehen sich die gehandicapten Menschen oft zurück. Wenn diese Diskrepanzen vermieden werden, sind die Behinderten viel eher bereit sich in Grup-pen einzuordnen. All dies kann mit gezielter Integrationspädagogik gefördert werden.

2.2 Antidiskriminierungsgesetz
Im Mai 2004 gab es einige Diskussionen um das Antidiskriminierungsgesetz. Es soll ein Gesetz eingeführt werden, dass eine rassistische und ethische Diskriminierung verbietet, sowie eine Gleichberechtigung der Geschlechter umfasst. Sofort mischten sich einige Behindertenverbände ein und forderten die Aufnahme von Behinderten in diesem Gesetz. Die Begründung ist, dass "behinderte Menschen zum Beispiel immer wieder bei Flugreisen, bei der Anmietung von Ferienwohnungen, in Gaststätten, beim Blutspenden oder beim Besuch von Veranstaltungen und im Versicherungswesen benachteiligt werden."2. Leider sind behinderte Menschen in solchen Situationen hilflos, da es keinen wirkenden gesetzlichen Schutz dagegen gibt. So soll nach Meinung von Franz Müntefering (SPD) dieses Gesetz noch weiter ausgedehnt werden. Es sollen zusätzlich Benachteiligungen von Alter, Religion und Behinderung mit 2Vgl. http://www.deutsche-gesellschaft.de* - 06.03.2005 einbezogen werden. Um diese Gedanken auf das Feld der Integration zu übertragen, wird mit diesem Gesetz ein guter Schritt in die richtige Richtung gemacht. Behinderte Menschen dürfen in allen Einrichtungen jeglicher Art nicht mehr benachteiligt werden, also wird der Eingliederungsgedanke in die Gemeinschaft der Menschen zunehmend gefördert und eine Ausgrenzung zunehmend vermieden. Es soll die Veranlassung zum aufeinander Zugehen gegeben werden.

3. Sehbehinderung, was ist das?

3.1 Sehbehinderung allgemein
Das Wort "Sehbehinderung" wird von den meisten Menschen einfach mit den Worten "schlecht sehen können" definiert und so im Gehirn abgespeichert. So Unrecht haben sie mit dieser Definition nicht, doch es gibt sehr unterschiedliche Arten von Sehbehinderungen. Aus diesem Grund kann man sagen, dass diese Definition wiederum nicht ganz richtig ist, da jede Art von Sehbehinderung verschiedene Ursachen hat und so ein unterschiedlich umfassendes Sehen verursacht wird. Menschen mit einer Sehbehinderung haben eine "verminderte Sehschärfe und/oder ein reduziertes Gesichtsfeld"3. Außerdem können zusätzliche Einschränkungen auftreten, wie eine erhöhte Blendempfindlichkeit oder eine Veränderte Farbwahrnehmung. Von einem Verlust des Sehvermögens können beide oder nur ein Auge betroffen sein. Es gibt Seheinschränkungen die korrigierbar sind und welche die nichtkorrigierbar sind. Sie können angeboren, durch einen Unfall oder durch eine Krankheit verursacht worden sein. Korrigierbare Sehbeeinträchtigungen (z. B. ----------- 3Vgl. http://www.sehbehinderung.de* - 06.03.2005

Weit- oder Kurzsichtigkeit) werden in der Regel durch eine Brille oder Kontaktlinsen behoben. Bei den unterschiedlichen Sehbehinderungen liegen oft Störungen im Bereich des Sehnervs, der Netzhaut, der Linse oder der Hornhaut vor. Die häufigsten Sehbehinderungen sind: Grauer Star, Makula-Degeneration. Grüner Star, Diabetische Retinopathie, Retinitis Pigmentosa, Netzhautablösung, Albinismus und Achroma-topsie. Ab welchem Sehrest gilt man als Sehbehindert, hochgradig sehbehindert oder Blind? Trotz einer Korrektur in der Ferne und/oder in der Nähe gilt der als Sehbehindert, dessen Sehschärfe eine Herabsetzung auf 1/3 (30%) bis 1/20 (5%) der Norm (100%) aufweist. Als hochgradig sehbehindert gilt, wessen Sehfähigkeit auf 1/20 (5%) bis 1/50 (2%) der Norm (100%) herabgesetzt ist. Alle Menschen mit einem Sehvermögen unter 1/50 (2%) werden als Blind eingestuft.

3.2 Besonderheiten (Albinismus)
Da Stina, so wie ich, ein Albino ist, halte ich es für angebracht, den Albinismus zu erläutern. Albinos haben angeborene Stoffwechselerkrankungen, die eine Störung der Melaninbildung verursachen. Melanin ist ein dunkler Farbstoff, der Sonnenstrahlen absorbiert und so den Körper schützt. Das Pigment befindet sich in Haut und Haaren. Melanin wird unter dem Einfluss von UV-Strahlen in der Haut gebildet. Diese Bildung lässt sich dadurch erkennen, dass die Haut dunkler wird. Bei Menschen mit Albinismus ist diese Bildung gestört, also bleibt die Haut hell (weiß). Die Sonnenbrandgefahr ist sehr hoch. Außerdem befindet sich Melanin in der Netzhaut und in der Iris des Auges. Die Pigmentschicht hat bei dem Sehvorgang wichtige Funktionen, Menschen mit Albinismus haben am Auge eine Anzahl von Veränderungen, diese sind:

Albinos sind also in ihrer Sehschärfe sehr eingeschränkt. Hinzu kommt die erhöhte Blendempfindlichkeit. Sehr viele Menschen verbinden mit dem Begriff Albinismus/Albino, Menschen mit einer sehr hellen Haut- und Haarfarbe (weiß). Diese Vorstellungen sind aber nicht ganz richtig. Es gibt zwei Arten von Albinismus, einerseits den oculocutanen und andererseits den oculären Albinismus. Beim oculären Albinismus sind ausschließlich die Augen betroffen. Die Haare und die Haut sind relativ normal pigmentiert. Beim oculocutanen Albinismus sind die Augen, die Haare und die Haut betroffen. Wegen des Seltenheitsfaktors begegnet man diesen Menschen nicht sehr häufig. Die Chance, den oculocutanen Albinismus zu haben, liegt bei einem Verhältnis von 1:17.000. Die Chance, an dem oculären Albinismus zu erkranken, liegt bei einem Verhältnis von 1:50.000.

4. Was versteht man unter Kindergartenpädagogik?
Der Kindergarten ist eine Institution, in der Kinder, beiden Geschlechts in der Regel im Alter bis zu 6 Jahren aufeinander treffen. Dort soll ihnen die Möglichkeit des Forschens, Erfahrens, Erlebens, des Fehlermachens und des gleichzeitigen Korrigierens gegeben werden. Dies passiert am besten beim Spielen, Toben, und Lernen, verbunden mit Kommunikation untereinander. Das Wort "Fehlermachen" ist positiv aufzunehmen, da jeder von seinen eigenen Fehlern oder von Fehlern anderer lernen kann und über das Wissen verfügt, seine gemachten Erfahrungen positiv in der Zukunft umsetzen. Das Erteilen von Aufgaben, in denen die Kinder ihr vorhandenes Potenzial beweisen und erweitern können, geben ihnen das Gefühl der Wichtigkeit und Mitglied der Gesellschaft zu sein. Durch die Zusammensetzung der Gruppen mit jüngeren und älteren Kindern werden die Jüngeren in die Lage versetzt visuell und akustisch von den Älteren zu lernen. Das Gesehene und Gehörte kann ihnen bei der Bewältigung von eigenen Lebenssituationen helfen. Ihnen soll vermittelt werden, wie sie sich in der Welt am besten zurechtfinden können. Gleichzeitig will man sie dahin führen, sich den ständigen Veränderungen der Umwelt anzupassen. Außerdem soll ihnen durch das Zusammensein in einer Gruppe die Rücksichtnahme auf andere bewusst gemacht werden und sie lernen, eigene Bedürfnisse in den Hindergrund zu stellen. Diese wichtigen Lebensaspekte gewinnen noch an Bedeutung, wenn zum Beispiel ein behindertes Kind in die Gruppe integriert werden soll. Den nicht behinderten Kindern wird gezeigt, dass es keinen Grund gibt, andersartige Kinder oder Menschen auszugrenzen und wie der normale Umgang mit ihnen praktiziert wird. Auch das Lernen, Hilfsbereitschaft zu zeigen, ist hier von sehr großer Bedeutung, weil bestimmte Lebenssituationen bzw. Behinderungen dieses einfach erfordern. Das Integrieren von ausländischen Kindern ist ebenso wichtig. Kinder sind sehr neugierig und immer darauf bedacht neue Situationen oder Menschen kennen zu lernen. So soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, Kinder anderer Herkunft genauso zu akzeptieren, wie die Kinder gleicher Herkunft. Besonders Kinder sind noch sehr vorurteilslos und um solche erst gar nicht aufkommen zu lassen, wird schon im frühesten Alter versucht Freundschaften entstehen zu lassen. Um diesen Kindern das öffentliche Leben näher zu bringen, unternimmt man schon frühzeitig Besichtigungen bestimmter Einrichtungen, z. B. Museen, Tierparks und Naturschutzgebiete.

5. Wer ist Stina?
Nach der Klärung der drei allgemeinen Oberbegriffe, gehe ich an dieser Stelle näher auf das Kind ein. Stina ist sechs Jahre alt und besucht einen Regelkindergarten in Bochum. Von Geburt an hat Stina den oculocutanen Albinismus. Ihr Sehrest liegt bei 30%, dazu kommt ein leichter Nystagmus (Augenzittern) und eine starke Blendempfindlichkeit. Stinas Haut- und Haarfarbe ist sehr hell. Ihre Mutter teilte mir mit, dass ihre Haarfarbe im Laufe der Jahre dunkler geworden sei. Demzufolge müsste ihr Körper in der Lage sein, noch ein bisschen Melanin zu bilden. Stina wird sonderpädagogisch betreut und bekommt einmal in der Woche Besuch von einer Sonderpädagogin aus der Sehbehindertenschule in Dortmund. Letztere berichtete mir, dass Stina noch ein paar Defizite in der Grob- und der Feinmotorik hat. Ihre Auge-Hand-Koordination - genauso wie ihre visuomotorische Koordination - sind fast normal. Motorik ist die angepasste Beweglichkeit des Körpers und der Körperteile an räumliche und zeitliche Bedingungen. Dem Lehrer fallen Störungen in der Motorik durch unkontrollierte und unkoordinierte Bewegungen auf. Das Kind erlangt innerhalb der ersten vier bis fünf Lebensjahre die Kontrolle über die Grobmotorik, wie Laufen, Springen, Gehen, Klettern, Radfahren. Anschließend im sechsten Lebensjahr folgt die Kontrolle der Feinmotorik, wie Greifen, Schreiben, Zeichnen, Werfen und Fangen eines Balles, Gebrauch von Werkzeugen und Musikinstrumenten. Um bestimmte Defizite frühzeitig zu beheben, wird Stina bereits im Kindergartenalter gefördert (Frühförderung). Es gibt insgesamt drei Teilbereiche, die Stina jeden Mittwoch zu bewältigen hat. In der ersten Phase wird die Arbeitshaltung geschult. Die Kontrolle der Feinmotorik wird verbessert, indem Stina ein Arbeitsblatt erhält, auf dem zum Beispiel vier Kästchen zu sehen sind. In jedem Kästchen ist jeweils ein Körperteil eines Tieres abgebildet. Die Kästchen sind mit einer schwarzen Linie markiert. Stinas Aufgabe ist es, diese Kästchen entlang der schwarzen Linie mit einer Schere auszuschneiden. Anschließend soll sie die richtigen Körperteile zusammensetzen und auf einem neuen Blatt wiederum in Kästchen einkleben. Zum Schluss der ersten Phase wird das Ausmalen - speziell das Endlangmalen an Linien - geübt. Zusätzlich soll sie die korrekte Stifthaltung erlernen. Bei diesen Teilaufgaben werden das genaue Hinschauen und die Exaktheit gefördert. Die Augen fixieren einen bestimmten Bereich und die Hände müssen sich genau zu diesem Ort hinbewegen. So wird die Auge-Hand-Koordination geschult. In der zweiten Phase soll die Kombinationsfähigkeit verbessert werden, dazu dienen Kombinationsspiele wie z. B. "Figorix". Hierbei werden Gegenstände nach unterschiedlichen Kriterien gesucht. Dabei muss auf Farbe, Form und Motiv geachtet werden. Andere Spiele zur Übung der Kombinationsfähigkeit können sein "Blinde Kuh" oder "Hahn im Korb". In der dritten Phase der Frühförderung liest die Sonderpädagogin aus einem Bilderbuch vor. Stina soll Freude an der Sprache gewinnen. Diese wird wiederum dadurch gefestigt, dass sie Stina Gegenstände, Tiere oder Personen auf den Bildern suchen oder zählen lässt oder ihr themennahe Fragen stellt. Einmal in der Woche nimmt Stina zusammen mit drei "normal sehenden" Kindern am Flötenunterricht teil. Da die Kinder noch keine Noten lesen können, merken sie sich die einzelnen Griffe anhand von unterschiedlichen Farben. Jede Farbe steht für einen anderen Ton. Stina weiß schon sehr genau, welcher Ton sich hinter welcher Farbe verbirgt. Bei meinen Beobachtungen ist mir aufgefallen, dass sich bei Stina manchmal beim Greifen der Töne ihr Auge-Hand-Koordinationsproblem zeigt. Ihre Augen fixieren die richtigen Löcher, sie schafft es aber nicht gleich, ihre Finger auf die richtigen Löcher zu legen. Erleichternd sagt die Flötenlehrerin sehr oft die zu spielenden Töne (Farben) an, d. h. Stina brauch nicht einmal auf das Blatt zu schauen, um zu wissen, welchen Ton sie als nächstes spielen muss. Sie schaut folglich nur an ihrer Flöte hinunter, um die richtigen Töne greifen zu können. Dass ihre Sehkraft ausreicht beweist sie dadurch, dass sie die Töne regelmäßig greifen kann. Nur ab und zu hapert es mit der Auge-Finger-Koordination. Stina hat - wie mir ihre Mutter mitteilte - Probleme bei der Einschätzung von Entfernungen. Sie erklärte mir dies anhand eines Beispiels in der Turnhalle. Stina hat enorme Schwierigkeiten von einem etwas höheren Kasten auf eine große blaue Matte zu springen. Sie kann die Entfernung bis zur blauen Matte nicht einschätzen. Für eine "normal sehende" Person ist dies nur eine kleine Entfernung, für Stina sieht dies wahrscheinlich wie ein Abgrund aus. Sie muss von ihrer Mutter an beide Hände genommen werden, ansonsten springt sie dort nicht hinunterr. Während des Sprunges verkrampft ihr gesamter Körper. Innerliche Angst baut sich auf, weil sie die Entfernung viel größer einschätzt, als sie eigentlich ist. Darauf beruhen die Verkrampfung und die Ungewiss-heit, wann sie die Matte erreichen wird.

6. Wie ist die Kindergartenumgebung aufgebaut?
Die Kindergartengruppe, bestehend aus 20-25 Kindern und 2-3 Erzieherinnen, hat eine sehr große Fläche zum Spielen zur Verfügung. Es sind vorhanden eine Puppenecke, ein Mal- und Basteltisch, ein zusätzlicher Bastelbereich und eine Bilderbücher- und Ruhezone. Au-ßerdem ist ein etwas größerer Teilbereich von einem Stuhlkreis umge-ben, in dem sich ein kniehoher Tisch befindet. An diesem Tisch können sich die Kinder mit Gesellschaftsspielen vergnügen. Die Räumlichkeiten sind sehr übersichtlich aufgebaut, so dass Stina überhaupt keine Prob-leme hat, sich innerhalb des Kindergartens zu bewegen. Es wird von den Erzieherinnen sehr stark darauf geachtet, dass die Kinder keinen Ort, an dem sie gespielt haben, unaufgeräumt verlassen. So ist die Gefahr kaum gegeben, dass Gegenstände verstreut auf dem Boden liegen bleiben und beschädigt werden oder - behinderte - Kinder darüber stolpern. Zur ungefähren Begrenzung der einzelnen Spielbereiche, werden kleinere Schränke oder Regale verwendet. Diese Gegenstände kann Stina gut erkennen.
Die meisten Spielgeräte, Bücher und Gesellschaftsspiele sind ausreichend groß hergestellt oder bedruckt, so dass Stina sie gut nutzen kann. Hier ist auf Integration großen Wert gelegt worden. Zusätzlich verfügt der Kindergarten über eine große und übersichtlich angelegte Außenanlage, mit einem Sandkasten, einer runden Betonfläche zum Fahrrad fahren und einer Art Hügel, auf den die Kinder hinauf klettern können. Auf der Außenanlage ist Stina jedoch in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Es bewegen sich nicht nur eine sondern zwei Gruppen im Freien. Dies bedeutet, dass mehr Kinder regelmäßig auch viel mehr Gegenstände auf dieser Fläche verteilen. So stehen oder liegen vereinzelt Spielsachen ganz verteil auf dem Boden herum, die Stina sehr schnell zum Hindernis werden können. Die Verletzungsgefahr ist hierdurch sehr groß. Auf dem Hügel liegend befindet sich ein Baumstamm mit vielen dünnen Ästen. Speziell beim Laufen oder Toben mit anderen Kindern muss sie genau aufpassen, dass sie nicht an einem Ast hängen bleibt. Gerade bei Sonnenlicht oder starker Helligkeit ist die Blendwirkung bei Stina extrem stark. Ihre Chance, die Gegenstände rechtzeitig zu erkennen, wird dadurch noch geringer, trotzdem, dass sie sich auf dem Gelände eigentlich recht gut auskennt.

7. Wird Stina in die Kindergartengruppe integriert?
Nachdem ich die räumlichen Gegebenheiten beschrieben habe, möchte ich nun untersuchen, ob die Integration erfolgreich verläuft. Stina wird aufgrund der Behinderung auf besondere Weise kindergartenpädagogisch betreut. Sie darf - genau wie die anderen Kinder - Spielen, Toben und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wegen ihrer Behinderung ist man bemüht, Benachteiligungen zu vermeiden. Sie darf mit allen Gegenständen spielen, basteln, malen usw., wie jedes andere Kind auch. Stina steht allgemein nicht unter besonderer Beobachtung, sondern wird als ein gleichwertiger Teil der Gruppe angesehen. So wie in vielen Einrichtungen, in denen Menschen zusammen leben, gibt es Ordnungen, denen man sich anzupassen hat. Genau dies muss auch Stina tun. Sicherlich gibt es manche Situationen, in denen sie besondere Hilfe benötigt, das heißt aber nicht, dass ihr die komplette Aufgabe abgenommen wird. Wie alle anderen Kinder muss sie z. B. nach dem Spielen auch aufräumen. Mir ist positiv aufgefallen, dass sie während meiner Anwesenheit von den anderen Kindern nicht ausgegrenzt wurde. Ebenso hatte ihr gegenüber niemand negative Äußerungen gemacht oder sich darüber belustigt, wenn Stina zum Erkennen von Bildern und Gegenständen mit den Augen sehr nah an sie heran musste. Auch die Erzieherinnen haben mir nichts dergleichen erzählt. Die Erzieherinnen geben sich sehr viel Mühe, eine Integration in die Gruppe zu ermöglichen. Am Ende des Vormittages werden von allen Kindern einer Gruppe Lieder gesungen und Spiele gespielt. Alle Kinder nehmen daran teil. Ausgegrenzt wird niemand. Es wird allen Kindern gezeigt, dass auch Stina an all den Aktivitäten teilnehmen kann. Außerdem versuchen die Erzieherinnen nicht nur die Bitten oder Wünsche anderer zu berücksichtigen, sondern gehen genauso gut auch auf Stinas Wünsche ein. Bei meinem zweiten Besuch durfte jedes Kind drei Körner Blumensamen in ein von den Erzieherinnen gemachtes Loch aussähen. Bekanntlich sind diese Samenkörner sehr klein und Stina wurde deshalb gefragt, ob sie diese erkennen kann. Da sie die Frage positiv beantwortete, zeigte man ihr genau, wo die Samen hinein gesteckt werden mussten. Sie ging beim Hineinlegen mit ihren Augen sehr nah an das Loch heran, aber niemand machte dabei eine abfällige Bemerkung über ihr Verhalten. Genauso ist es in der Flötengruppe. Wenn Stina es nicht auf Anhieb schafft, den richtigen Ton zu greifen und mehrere Versuche dafür benötigt, lacht sie niemand aus. Im oberen Teil erwähnte ich bereits, dass Integration im Wesentlichen auf Gegenseitigkeit beruht. Was die Erzieherinnen betrifft fiel mir auf, dass sie sich dabei sehr große Mühe geben. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die Integration gegeben. Bei meinem ersten Besuch im Kindergarten ist mir aufgefallen aufgefallen, dass Stina sehr lange alleine spielte. Darauf hin habe ich die Erzieherin auf diese Situation angesprochen. Sie erklärte mir, dass sich Stina zuvor mit ihrer besten Freundin gestritten hatte. Sie zog es deshalb vor, lieber allein zu spielen. In dieser Zeit war sie nur mit sich und den Holzfiguren beschäftigt. Erst später haben beide auf Initiative der Freundin wieder miteinander gebastelt. Zwei oder drei andere Kinder wollten ebenfalls noch dazu kommen, um mit den beiden zu spielen. Stina ließ es in diesem Fall aber nicht zu. Sie nahm eine Art Führungsrolle ein und war dabei nicht sehr freundlich. Nach Aussage der Erzieherin ist dieses Verhalten nicht die Regel. Stina ist in der gesamten Gruppe integriert, hat aber sehr enge Kontakte zu dieser Freundin und zu ihrem Bruder. In einem Gespräch mit ihrer Mutter fragte ich, ob dies öfter mal der Fall sei, dass Stina mehr mit sich allein beschäftigt ist. Nach ihren Angaben zieht sich Stina immer mal wieder für einige Zeit zurück und brauch ein bisschen Ruhe, um all das verarbeiten zu können, was vorher passiert ist. Dann duldet sie keine anderen Kinder um sich herum. Während der ganzen Zeit, in der Stina aktiv ist, ist sie einer erhöhten Konzentrationsleistung ausgesetzt. Diese Pausen geben ihr zusätzlich die Zeit sich ein bisschen zu erholen.

Schlussteil
8 Resümee
Obwohl ich nur eine kurze Zeit in diesem Kindergarten zu Besuch war, möchte ich doch anschließend ein kleines Resümee ziehen. Mir ist positiv aufgefallen, dass die Erzieherinnen sich sehr viel Mühe geben, eine Integration in die Gruppe zu ermöglichen. Nach meinen Feststellungen sind sie bemüht alle Kinder gleich zu behandeln, soweit die Behinderung keine Sonderbehandlung erfordert. Sie sind darauf bedacht, die nicht behinderten Kinder und Stina zu einander zu führen, um ein Miteinander zu fördern. Auch die anderen Kinder zeigen die Bereitschaft Stina in die Gruppe zu integrieren und haben sich bei keiner Gelegenheit negativ ihr gegenüber geäußert. Von der Ausstattung her ist der Gruppenbereich sehr übersichtlich aufgebaut und gibt Stina die Möglichkeit zur freien Bewegung. Auch die Spielgeräte und Bücher sind weites gehend behindertengerecht. Damit sind meiner Meinung nach wichtige und gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration gegeben. Der von mir gewonnene Eindruck wird durch das allgemein gute Zusammenspiel in der Gruppe bestätigt. Die Überreaktion von Stina am ersten Tag möchte ich nicht überbewerten, weil nach Aussage der Erzieherinnen und der Mutter das Einvernehmen in der Gruppe als positiv bewertet wurde. Trotz der Kürze der Zeit glaube ich, dass dieser Kindergarten Integration beispielhaft darstellt.

9 Quellenverzeichnis

Integration:
http://www.kiwif.de/...
20.02.2005

http://www.kiwif.de/...
20.02.2005

http://bidok.uibk.ac.at/...
02.03.2005

Antidiskriminierungsgesetz:
http://www.deutsche-gesellschaft.de/...
06.03.2005

http://www.netzwerk-artikel-3.de/...
06.03.2005

Sehbehinderung:
http://www.sehbehinderung.de/...
06.03.2005

Albinismus:
http://home607.platon.innter.net/...
06.03.2005

http://home607.platon.innter.net/...
06.03.2005

Kindergartenpädagogik:
http://www.kindergartenpaedagogik.de/...
13.03.2005

Wer ist Stina (Motorik):
Ledl, Viktor; Kinder beobachten und fördern; Schulbuchverlag Jugend & Volk 1994

Hiermit erkläre ich, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt habe und nur die im Quellenverzeichnis vermerkten Quellen und Hilfsmittel verwendet habe.

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